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Gehgeschwindigkeit und Gehdauer berechnen: die Naismith-Regel

Wie schnell gehst du wirklich? Durchschnittstempo, Gehdauer für eine Strecke und der Einfluss von Höhenmetern nach der Naismith-Regel – verständlich erklärt.

"Wie lange brauche ich für diese Strecke?" – diese Frage stellt sich beim Spaziergang, beim Pendeln zu Fuß und vor allem bei der Wanderplanung. Auf flachem Gelände ist die Antwort einfach. Sobald aber Höhenmeter ins Spiel kommen, reicht die reine Streckenlänge nicht mehr aus. Genau hier hilft die Naismith-Regel.

Wie schnell geht der Mensch eigentlich?

Die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit eines Erwachsenen liegt auf ebener Strecke bei etwa 5 km/h – also rund 12 Minuten pro Kilometer. Das ist aber nur ein Richtwert. Reale Werte schwanken stark:

  • Gemütliches Schlendern: 3–4 km/h
  • Normales Alltagstempo: 4,5–5,5 km/h
  • Zügiges, sportliches Gehen: 6–7 km/h
  • Speedwalking / Racewalking: über 8 km/h

Auch Alter, Beinlänge, Trainingszustand und sogar das getragene Gepäck beeinflussen das Tempo. Mit dem Gehgeschwindigkeit Rechner gibst du Strecke und Tempo ein und erhältst die Gehdauer – auf Wunsch inklusive Höhenmeter-Zuschlag.

Die Naismith-Regel: Höhenmeter kosten Zeit

Der schottische Bergsteiger William Naismith formulierte 1892 eine Faustregel, die bis heute in der Tourenplanung steckt. Sie besagt:

  • Rechne für die horizontale Strecke mit einem Grundtempo von rund 5 km/h (also 12 Minuten pro Kilometer).
  • Addiere für je 300 Höhenmeter im Aufstieg eine zusätzliche Stunde (vereinfacht: pro 100 Höhenmeter bergauf etwa 10 Minuten extra).

Ein konkretes Beispiel: Eine Wanderung über 12 Kilometer mit 600 Höhenmetern Aufstieg. Die horizontale Zeit beträgt rund 2,4 Stunden, die Höhenmeter bringen 2 Stunden zusätzlich – macht zusammen etwa 4,4 Stunden reine Gehzeit. Wer nur die 12 Kilometer rechnet, verschätzt sich um fast die Hälfte.

Warum bergab nicht immer schneller geht

Ein verbreiteter Irrtum: Bergab spart man die im Anstieg verlorene Zeit wieder ein. Bei moderatem Gefälle stimmt das teils. Bei steilen Abstiegen jedoch bremst man stark ab, um die Gelenke zu schonen und nicht zu stolpern – das kann sogar länger dauern als ebenes Gehen. Verfeinerte Versionen der Naismith-Regel (etwa nach Tranter oder die Korrekturen von Langmuir) berücksichtigen genau das. Für die Praxis reicht meist die Grundregel, ergänzt um einen Sicherheitspuffer.

Pausen, Pace und Realität

Die berechnete Zeit ist immer die reine Gehzeit. Eine echte Tour enthält außerdem:

  • Trink- und Essenspausen
  • Fotostopps und Aussichtspunkte
  • Wegsuche, Orientierung, Querungen
  • Erschöpfung gegen Ende der Tour, die das Tempo drückt

Als Faustregel solltest du auf die berechnete Gehzeit noch 20–30 Prozent für Pausen aufschlagen, bei längeren Touren eher mehr. So planst du nicht im letzten Tageslicht am Gipfel zu stehen.

Wofür sich die Berechnung lohnt

Eine realistische Zeitschätzung ist nicht nur Komfort, sondern Sicherheit: Du weißt, ob du vor Einbruch der Dunkelheit zurück bist, ob die Verpflegung reicht und ob die Tour zu deinem Fitnesslevel passt. Für Pendler zu Fuß hilft dieselbe Rechnung, den Wecker richtig zu stellen.

Wer aus dem Gehen ein Lauftraining macht, findet im Pace Rechner das passende Werkzeug für Tempo und Zielzeit. Möchtest du zusätzlich den Energieaufwand abschätzen, hilft der Grundumsatz Rechner. Alle weiteren Rechner gibt es in der Übersicht der kotsch.tech Webtools.

Fazit

Auf flachem Gelände genügt das Durchschnittstempo, doch sobald es bergauf geht, brauchst du die Naismith-Regel: Grundtempo plus rund eine Stunde je 300 Höhenmeter. Rechne reine Gehzeit, schlage Pausen auf – und du planst Touren, die wirklich aufgehen.

Arthur Hardy Kotsch
Über den Autor
Arthur Hardy Kotsch

Gründer der Softwaremarke Kotsch.Tech, B.Eng. Digital Engineering, aktuell im MBA-Studium Production Management (TU Chemnitz). Entwickelt 34 Apps im Apple App Store sowie Android-Apps, Windows-Programme und Web-Anwendungen.