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Immich - Kostenlose Lösung für die Verwaltung großer Foto- und Video-Sammlungen

Immich ist die selbst gehostete Alternative zu Google Photos: automatischer Backup, Gesichtserkennung, Docker-Installation und volle Datenkontrolle.

Immich - Kostenlose Lösung für die Verwaltung großer Foto- und Video-Sammlungen

Jahrelang war Google Fotos die bequemste Lösung, um Smartphone-Fotos automatisch zu sichern und von überall abzurufen. Seit Google 2021 das kostenlose unbegrenzte Speicherkontingent abgeschafft hat, müssen Nutzer entweder zahlen oder ihre Fotos woanders lagern. Für alle, die ihre Daten lieber selbst kontrollieren und nicht monatlich für Cloud-Speicher bezahlen wollen, ist Immich eine der überzeugendsten Alternativen geworden.

Was ist Immich und warum wurde es entwickelt?

Immich ist eine selbst gehostete Foto- und Videoverwaltung, die bewusst nach dem Vorbild von Google Fotos gestaltet wurde. Das Projekt entstand 2022 und hat sich seitdem zu einer der am aktivsten entwickelten Open-Source-Lösungen im Bereich Self-Hosting entwickelt. Die Quellcode ist auf GitHub öffentlich zugänglich und wird von einer großen Community weiterentwickelt.

Der wesentliche Unterschied zu Google Fotos: Alle Fotos und Videos bleiben auf dem eigenen Server oder NAS. Kein Unternehmen hat Zugriff auf die Bilder, es gibt keine Speicherlimits außer der eigenen Festplattenkapazität, und man ist nicht von Preisänderungen eines Cloud-Providers abhängig. Dafür trägt man selbst die Verantwortung für Betrieb, Updates und Datensicherung.

Funktionen von Immich im Überblick

Immich bietet deutlich mehr als nur einen Datei-Upload. Die wichtigsten Funktionen sind:

  • Automatischer Backup vom Smartphone: Die iOS- und Android-App lädt neue Fotos und Videos automatisch auf den eigenen Server hoch – genauso wie Google Fotos es tut, nur eben zu Hause.
  • Gesichtserkennung: Immich analysiert Fotos lokal und gruppiert Bilder nach erkannten Personen. Die Gesichtserkennung läuft vollständig auf dem eigenen Server, ohne dass Bilddaten an externe KI-Dienste gesendet werden.
  • Kartenansicht: Fotos mit GPS-Metadaten werden auf einer Weltkarte dargestellt. So lässt sich auf einen Blick sehen, wo Aufnahmen entstanden sind.
  • Alben und gemeinsame Alben: Fotos können in Alben organisiert und mit anderen Immich-Nutzern auf demselben Server geteilt werden.
  • RAW-Unterstützung: Fotografen, die im RAW-Format arbeiten, können ihre Rohdateien direkt in Immich verwalten.
  • Video-Transkodierung: Videos werden automatisch in ein webkompatibles Format konvertiert, damit sie direkt im Browser abgespielt werden können.
  • Suche mit KI: Immich kann über CLIP-Modelle eine semantische Suche anbieten – man kann also nach Begriffen wie „Strand Sonnenuntergang" suchen und erhält passende Fotos, ohne dass diese mit entsprechenden Tags versehen sein müssen.

Hardware-Anforderungen

Immich läuft auf jedem System, das Docker unterstützt. In der Praxis gibt es jedoch deutliche Unterschiede in der Performance:

Raspberry Pi 4

Ein Raspberry Pi 4 mit 4 oder 8 GB RAM ist als Einstieg möglich, aber nicht ideal. Die Gesichtserkennung und Video-Transkodierung sind CPU-intensiv und auf dem Pi deutlich langsamer als auf leistungsfähigerer Hardware. Für kleine Sammlungen bis einige tausend Fotos ist der Pi durchaus brauchbar.

NAS-Systeme

Viele moderne NAS-Geräte von Synology, QNAP oder TrueNAS können Immich über Docker oder Portainer betreiben. Synology-NAS der Plus-Serien mit Intel-CPU sind gut geeignet. Wichtig: Das NAS muss Docker-Container unterstützen, was bei ARM-basierten Entry-Level-Modellen nicht immer der Fall ist.

Mini-PC oder alter Desktop-PC

Ein dedizierter Mini-PC – beispielsweise mit einem Intel N100 oder einem älteren Core-i-Prozessor – bietet die beste Balance aus Leistung, Stromverbrauch und Kosten. Mit 8–16 GB RAM und einer ausreichend großen Festplatte läuft Immich flüssig, auch mit aktiver Gesichtserkennung und Transkodierung.

Installation mit Docker

Immich wird ausschließlich über Docker Compose installiert. Das Developerteam stellt betont, dass andere Installationswege (z. B. direkt auf dem Betriebssystem ohne Docker) nicht offiziell unterstützt werden. Der Installationsprozess sieht grob so aus:

  1. Docker und Docker Compose auf dem Server installieren.
  2. Die offizielle docker-compose.yml und die .env-Konfigurationsdatei von der Immich-Website herunterladen.
  3. In der .env-Datei den Upload-Pfad anpassen – also den Ordner auf dem Server, in dem Fotos gespeichert werden sollen.
  4. docker compose up -d ausführen. Immich startet dann im Hintergrund.
  5. Die Weboberfläche ist danach über Port 2283 im Browser erreichbar.

Beim ersten Aufruf legt man ein Administratorkonto an und kann sofort mit dem Hochladen beginnen. Updates erfolgen ebenfalls über Docker: Die neuen Images werden heruntergeladen und die Container neu gestartet – der gesamte Prozess dauert wenige Minuten.

Mobile App: iOS und Android

Die Immich-App gibt es kostenlos für iOS und Android. Nach der Eingabe der Server-Adresse und der Zugangsdaten richtet man den automatischen Backup ein. Man kann festlegen, ob nur über WLAN gesichert werden soll, welche Alben gesichert werden, und ob Videos eingeschlossen werden sollen. Die App verhält sich dabei sehr ähnlich wie die Google-Fotos-App, was den Wechsel erleichtert.

Vergleich mit Nextcloud Photos und PhotoPrism

Nextcloud Photos ist kein eigenständiges Produkt, sondern eine Erweiterung der Nextcloud-Plattform. Wer bereits Nextcloud betreibt, kann Fotos dort verwalten, bekommt aber nicht denselben Funktionsumfang wie mit Immich. Gesichtserkennung und KI-gestützte Suche sind bei Nextcloud deutlich eingeschränkter.

PhotoPrism ist ebenfalls eine selbst gehostete Lösung mit starkem Fokus auf KI-Bildanalyse und Suche. PhotoPrism ist in der Basisversion kostenlos, für erweiterte Funktionen und kommerzielle Nutzung gibt es kostenpflichtige Pläne. Im Vergleich zu Immich fehlt bei PhotoPrism die automatische Smartphone-Backup-App.

Immich ist derzeit die Lösung, die dem Google-Fotos-Erlebnis am nächsten kommt: automatischer Backup, Gesichtserkennung, Kartenansicht und eine gut gestaltete Oberfläche – alles in einem Paket.

Merkmal Immich Google Photos Nextcloud Photos PhotoPrism
Preis Kostenlos (Open Source) Ab 1,99 €/Monat (nach 15 GB) Kostenlos (Open Source) Kostenlos / kostenpflichtige Pro-Version
Selbst-Hosting Ja (Docker) Nein (Google-Cloud) Ja (Docker / manuell) Ja (Docker)
Gesichtserkennung Ja (lokal) Ja (Cloud-KI) Eingeschränkt Ja (lokal)
KI-Suche Ja (CLIP, lokal) Ja (sehr gut) Nein Ja (lokal)
Mobile App iOS & Android iOS & Android iOS & Android (Nextcloud-App) Kein Auto-Backup
DSGVO-konform Ja (Daten bleiben lokal) Eingeschränkt (US-Server) Ja (Daten bleiben lokal) Ja (Daten bleiben lokal)
Empfehlung Google-Photos-Ersatz, Selbsthoster Bequemlichkeit, kein eigener Server Bestehende Nextcloud-Nutzer Fokus auf KI-Suche
💡 Tipp Immich auf einem Synology NAS installieren: Den Docker-Paket-Manager (Container Manager) im DSM öffnen, ein neues Projekt anlegen und die offizielle compose.yaml direkt von immich.app einfügen. Upload-Pfad in der .env-Datei auf einen freigegebenen Ordner des NAS setzen – fertig.
⚠️ Wichtig Immich befindet sich noch in aktiver Entwicklung und kann Breaking Changes bei Updates enthalten. Vor jedem größeren Update unbedingt ein Backup der PostgreSQL-Datenbank erstellen (docker exec immich_postgres pg_dumpall -U postgres > backup.sql). Die eigentlichen Fotodateien separat sichern – Immich selbst erstellt kein Dateisystem-Backup.
ℹ️ Info Warum Immich statt Google Photos? Google scannt alle hochgeladenen Fotos für KI-Training und Werbezwecke. Mit Immich laufen alle Analysen (Gesichtserkennung, Bildbeschreibung, Suche) vollständig auf dem eigenen Server – die Fotos verlassen niemals das eigene Netzwerk. Das macht Immich zur datenschutzfreundlichsten Alternative mit vergleichbarem Funktionsumfang.

Migration von Google Fotos

Wer seine bestehende Google-Fotos-Bibliothek zu Immich migrieren möchte, kann einen Google Takeout durchführen: Google stellt alle Fotos als ZIP-Archiv zur Verfügung, inklusive der JSON-Metadatendateien mit Datum und GPS-Daten. Das Projekt immich-go (ein Community-Tool auf GitHub) kann diese Takeout-Archive direkt in Immich importieren und dabei auch die Metadaten korrekt zuordnen.

Datensicherheit und Privacy

Der größte Vorteil von Immich gegenüber Cloud-Lösungen ist die Datensouveränität. Die Fotos verlassen niemals den eigenen Server – es sei denn, man richtet absichtlich einen externen Zugriff ein. Wichtig ist dabei: Immich selbst erstellt zwar regelmäßige Datenbank-Backups, aber die eigentlichen Fotodateien auf dem Dateisystem müssen separat gesichert werden. Ein RAID-Array ersetzt keine Datensicherung. Wer Immich ernsthaft nutzt, sollte eine 3-2-1-Backup-Strategie einhalten: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus.

Grenzen von Immich

Immich ist kein Ersatz für alle Funktionen von Google Fotos. Einige Einschränkungen sollte man kennen:

  • Die KI-Funktionen (Gesichtserkennung, semantische Suche) erfordern ein leistungsfähiges System und laufen lokal – das ist für Privacy gut, aber langsamer als Cloud-KI.
  • Immich ist noch ein junges Projekt und ändert sich schnell. Gelegentlich gibt es Breaking Changes bei Updates.
  • Eine Sharing-Funktion für externe Personen (also ohne eigenes Immich-Konto) ist vorhanden, aber weniger ausgereift als bei Google Fotos.
  • Immich läuft nur auf eigenem Server – kein Betrieb ohne eigene Hardware oder gemieteten Server möglich.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kostet Immich etwas?

Die Software selbst ist vollständig kostenlos und Open Source. Man bezahlt lediglich für die eigene Hardware und den Strom. Es gibt weder Abo noch In-App-Käufe.

Kann ich Immich über das Internet erreichen?

Ja, mit einer entsprechenden Netzwerkkonfiguration. Empfohlen wird ein Reverse Proxy (z. B. Nginx Proxy Manager oder Traefik) mit HTTPS-Zertifikat. Ein VPN wie Tailscale ist eine sicherere Alternative zu einem direkten Internetzugang.

Wie viel Speicher brauche ich?

Das hängt von der Sammlungsgröße ab. Immich benötigt zusätzlich zum eigentlichen Speicherplatz der Fotos noch Platz für Thumbnails und Vorschauen – grob etwa 10–20 % des Originalvolumens.

Arthur Hardy Kotsch
Über den Autor
Arthur Hardy Kotsch

Gründer der Softwaremarke Kotsch.Tech, B.Eng. Digital Engineering, aktuell im MBA-Studium Production Management (TU Chemnitz). Entwickelt 34 Apps im Apple App Store sowie Android apps, Windows-Programme und Web-Anwendungen.